Gastwirte mit billigen Schildern betrogen

Angeklagte müssen sich für Masche vor Gericht verantworten

STUTTGART. Zwei Göppinger müssen sich Wegen einer äußerstwindigen Geschäftsidee seit Freitag vor dem Landgericht Stuttgart verantworten. Ihnen wird banden und gewerbsmäßiger Betrug vorgeworfen. Acht Weitere Männer und Frauen sollen ihnen dabei Zur Hand gegangen sein. Die 33 und 37 Jahre alten Hauptangeklagten sollen billig Schilder produziert haben, auf denen Auszüge aus den Jugendschutzbestimmungen wiedergegeben waren. Diese sollen sie überteuert an Gastronomen verkauft haben – unter dem Vorwand, dass das Anbringen der Schilder Pflicht für Wirte sei. Für den Vertrieb ihrer Ware unterhielten sie ein Callcenter in Bad Cannstatt. 426 völlig wertlose Schilder konnten sie so für je 69 Euro verkauften, in mindestens 383 weiteren Fällen blieb es beim Versuch. Knapp 30000 Euro sollen die beiden Angeklagten auf diese Weise ergaunert haben. Acht weitere Personen, die für den telefonischen Vertrieb Im Callcenter zuständig gewesen sein sollen, sitzen ebenfalls auf der Anklagebank, alle ohne Vorstrafen. Ihnen wird zur Last gelegt, perfide getrickst zu haben. Die abtelefonierten Adressen für den Verkauf der gefälschten Jugendschutzplaketten sind vor allem Asia Imbisse, Gasthöfe auf dem Land, Pizza Bistros und andere Lokale, die den Eindruck erweckt hatten, dass ihre Betreiber ihre Rechte nicht kennen und sich von den Anrufern leicht einschüchtern ließen. Diese gaben sich teilweise als Angehörige von Aufsichtsbehörden aus. Nachdem einige Gastronomen Anzeige erstattet hatten, flogen die Callcenter Betreiber auf. Die Hauptangeklagten führen heute offenbar ein bürgerliches Leben. Beide sind seitdem Vater geworden und haben geheiratet.

Warum der Prozessbeginn so lange auf sich hat warten lassen, kann sich der 33jährige Angeklagte, der heute in einem Zeitschriftenladen arbeitet, nicht erklären. In Verteidigerkreisen heißt es, dass der Fall aufgrund seiner Sperrigkeit lange hin und her geschoben worden sei. 800Anrufe innerhalb eines Jahres mussten vor der Anklageerhebung rekonstruiert werden.

Warum die Staatsanwaltschaft von bandenmäßigem gewerblichem Betrug ausgeht, stößt auch auf Unverständnis. „Beihilfe zum Betrug könnte die Staatsanwaltschaft meinetwegen ja vermuten, aber mit einer Bande hat das doch nichts zu tun“, sagt Rechtsanwalt Jörg-Matthias Wolff, der eine der ehemaligen Telefonistinnen verteidigt, zur Anklageschrift. Die Schuld sei bei den Hauptangeklagten zu suchen. Schließlich hätten die Mitarbeiter des Callcenters nur rund zehn Euro pro Stunde verdient. Am 18. Oktober wird die Verhandlung fortgesetzt.

Quelle: von Sascha Maier