Erneute Messerattacke soll Rache gewesen sein

In Esslingen verletzter 18-Jähriger wird der Red Legion zugerechnet –Opfer bei Mordprozess mit Black Jackets zusammengestoßen

STUTTGART. Der Krieg zwischen den verfeindeten Gruppen Red Legion und Black Jackets eskaliert. Der 18Jährige, der am Montag in der Nähe des Esslinger Bahnhofs Niedergestochen wurde, soll Opfer einer Racheaktion geworden sein. Der Mann, so heißt es, sei Mitglied der Red Legion. Die Messerattacke, bei der der 18Jährige lebensgefährlich verletzt worden war, gibt der Polizei vordergründig Rätsel auf. Denn der junge Bursche – er war nach dem Überfall von einem Bekannten in die Klinik gebracht worden – gibt sich einsilbig. Kaum ein Wort zu dem Vorfall, kein Wort zu den Tätern. Der junge Mann hat lediglich ausgesagt, es seien mehrere unbekannte Männer auf ihn zugekommen. Einer habe mit einem Messer auf ihn eingestochen. Tatsache ist, dass das Opfer vor zwei Wochen Den Mordprozess vor dem Landgericht Stuttgart gegen elf mutmaßliche Mitglieder der Red Legion als Zuschauer verfolgt hat. In einer Verhandlungspause war der Bursche mit Leuten aus dem Lager der Black Jackets aneinander geraten. Dabei soll er einen aus der Reihe der Black Jackets angespuckt haben. Und am Montag wurde er dann Opfer besagter Messerattacke. Dass der 18Jährige, der laut Polizei inzwischen außer Lebensgefahr ist, keine verwertbaren Angaben macht, deutet darauf hin, dass er die Angreifer kennen könnte, sprich dass sie aus den Reihen der Schwarzjacken kommen.

Die Polizei muss im Gerichtssaal Schlagstöcke einsetzen

Die Esslinger Polizei sucht Zeugen zum Vorfall vom 7. Oktober im Bereich des Esslinger Bahnhofs. Wer dort zwischen 22.30 und 23.30 Uhr eine Auseinandersetzung wahrgenommen hat, solle sich unter der Telefonnummer 0711/ 39900 melden. Auch beim Prozess am Landgericht Stuttgart, bei dem sich elf mutmaßliche Legionisten wegen Mordes kurz vor Weihnachten 2012 an einem 22jährigen Mitglied der Black Jackets verantworten müssen – der Junge Mann war erstochen worden–, ist es zu Massiven Tumulten gekommen. Nach gegenseitigen Beleidigungen der verfeindeten Gruppen im Zuhörerraum musste die Polizei mit Schlagstöcken dazwischen gehen. Vier Zuhörer, die den Black Jackets zugerechnet werden, wurden vorübergehend festgenommen und dann vom Vorsitzenden Richter dauerhaft vom Prozess ausgeschlossen. Auch ein junger Mann, der kurz vor Weihnachten Opfer der Red Legion Attacke nahe dem Esslinger Obertor geworden war, verlor die Kontrolle. Der Mann von den Black Jackets tritt als Nebenkläger in dem Mordprozess auf. Als die Angeklagten abgeführt werden sollten, wollte er auf eine Verteidigerin losgehen. Eine Polizistin drängte ihn ab. „Langsam wird es richtig unangenehm“, sagt Jörg-Matthias Wolff, der einen der Angeklagten verteidigt. Trotz dieser Vorkommnisse und trotz des immensen Polizeiaufgebots vor, während und nach jedem Prozesstag hat die 3. Strafkammer den Antrag, die Hauptverhandlung ins Mehrzweckgebäude des Oberlandesgerichts nach Stammheim zu verlegen, abgelehnt. An manchen Prozesstagen sind mehr als 100 Polizeibeamtinnen und beamten rund ums Justizviertel im Einsatz. Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass sich die Lage entspannen könnte. Nach den Tumulten im Gerichtssaal hatten die Legionisten offenbar per Telefonkette Verstärkung zusammengetrommelt. Nachmittags saßen plötzlich Dutzende Red Legion Leute im Zuschauerraum, darunter einige Herren, die der höheren Führungsriege Zugeordnet werden.

Der jetzige Mordprozess ist bis April 2014 terminiert. Es steht zu befürchten, dass die Zeit nicht ausreichen wird. Und schon steht dem Landgericht und den Sicherheitskräften die nächste Kraftprobe ins Haus. Der zweite Prozess um den gewaltsamen Tod des 22 Jährigen kurz vor Weihnachten in Esslingen soll im Januar 2014 verhandelt werden. Dann stehen sieben weitere RedLegion Männer wegen Mordes Vor Gericht.

Quelle: www.stuttgarter-nachrichten.de | von George Stavrakis